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Wissenschaft versus Parapsychologie

Die Vehemenz, mit der die etablierte Wissenschaft gegen parapsychologische Berichte und Forschungsansätze vorgeht kann den Eindruck erwecken, sie wehre sich mit Händen und Füßen gegen den Versuch ihr althergebrachtes Weltbild umzuwerfen.

Aber der Wissenschaft sind Paradigmenwechsel durchaus nicht fremd, Kopernikus, Galileo, Newton, Darwin, Einstein und Schrödinger, sie alle haben unsere Sicht der Welt grundlegend auf den Kopf gestellt. Selbstverständlich gab es auch gegen die von diesen Menschen erdachten Theorien heftigen Widerstand aber letztendlich habe Sie sich durchgesetzt, weil ihre Argumente stichhaltig waren und Beobachtungen und Experimente die Theorien bestätigten. Die Maßstäbe, die die Wissenschaft anlegt, sind streng, so soll eine neue Theorie den Experimenten nicht widersprechen und die Experimente sollen wiederholbar sein.

Genau diesen Kriterien muss sich aber auch die Parapsychologie stellen, wenn sie anerkannt werden möchte und wenn es dann tatsächlich hinweise auf die unter dem Begriff Parapsychologie zusammengefassten Phänomene geben werden sie auch Eingang in die Wissenschaft finden und diese wird sich anpassen, um auch sie in ihre Modelle aufzunehmen.

Bisher sind die Hinweise der parapsychologischen Forschung aber nicht stichhaltig, z.T., weil sie nur auch wenig prüfbaren Zeugenberichten beruhen, z. T. auch weil Betrug - von den Probanden und manchmal auch von den Forschern - nachgewiesen werden konnte, aber auch weil die Methoden nicht für die Fragestellung geeignet sind.

Da ist zum Beispiel der Bericht Fanny Mosers, einer schweizer Zoologin und Parapsychologin ("Das große Buch des Okkultismus"), der in der Einleitung des Buches erwähnt wird. Hier beschreibt sie ein spektakuläres Ereignis, mit schwebenden Tischen und Lichtern, aber schaut man sich die Umstände genau an muss man zu dem Schluss kommen, dass Fanny Moser nicht die Möglichkeit hatte einen Betrug auszuschließen. Zum einen war der Raum abgedunkelt, zum anderen war sie allein mit den Freunden oder Bekannten des Mediums. Das es für die Erscheinungen eine natürliche Erklärung, wie Drähte oder chemische, Licht erzeugende Reaktionen geben kann, lässt natürlich nicht zwingend den Schluss zu, dass diese Tricks auch angewendet wurden aber das diese Möglichkeiten nicht ausgeschlossen werden konnten lässt die Beweiskraft dieses Beispiel von Fanny Moser und ähnlicher Berichte zweifelhaft erscheinen.

Ein weiterer Fall ist die Spukerscheinung von Rosenheim, wo tatsächlich Betrug nachgewiesen werden konnte. Hier geben sogar Parapsychologen zu, dass das Medium "wenigstens in einem Falle dabei ertappt worden ist, wie sie mit ganz normalen Muskelkräften eine Lampe zum Schwingen brachte" und "jedenfalls wird dadurch deutlich, dass solche Berichte keineswegs als wissenschaftlicher Beweise für Psychokinese gewertet werden können" (LUCADOU, W.v.:PSI-Phänomene. Neue Ergebnisse der Psychokinese-Forschung, Insel, Frankfurt/M. 1997, S. 48).

Deshalb wendet sich die seriöse parawissenschaftliche Forschung von diesen Berichten ab und konzentriert sich mehr und mehr auf ihre eigenen Untersuchungen entsprechender Phänomene. Und das nach Möglichkeit unter kontrollierten Bedingungen.

Welche Gefahren hier lauern zeigt das Beispiel von Croiset und Tenhaeff. Croiset war ein sehr berühmter Hellseher, der bekannt dafür war, vermisste Personen zu finden, aber seine Erfolgsquote war sehr viel geringer als die wenigen dokumentierten Fälle annehmen lassen, das Croiset bei Tausenden von Vorhersagen auch mal recht hatte wird ausgeglichen durch die Art und weise, wie er zu seinen Ergebnissen gekommen ist und durch die Tatsache, dass Tenhaeff von Hoebens nachgewiesen werden konnte, in seinen Berichten über Croiset die Tatsachen verfälscht dargestellt, erfunden oder verschwiegen zu haben. Unter diesen Umständen ist auch verständlich, dass Croisets Platzexperimente in denen er Personen beschrieb die sich später auf bestimmten Plätzen niederließen nicht ernst genommen werden können, was zum einen daran lag, dass die Aussagen mehr oder weniger allgemein waren, sodass es schwer zu beurteilen ist, wie gut sie auch auf jede andere Person zutreffen würden, zum anderen aber auch daran, dass Tenhaeff Croisets Fähigkeiten nahezu exklusiv untersucht hat, sodass diese Experimente nicht ernst genommen werden können.

Aufgrund all dieser Unwägbarkeiten zieht sich auch die Parapsychologie immer weiter auf besser kontrollierbare Laborexperimente zurück. Einige Berühmtheit haben dabei die Experimente von Schmidt sowie Pratt und Pearce erlangt.

Um äußere Einflüsse auszuschließen hat Schmidt 1969 einen Zufallsgenerator konstruiert, der sich den radioaktiven Zerfall zunutze macht, um vier Lämpchen in zufälliger Folge aufleuchten zu lassen. (Eyseneck, Sargent: "Der Übersinnliche Mensch" 1984). Bei vier Lampen geht man davon aus, dass eine Vorhersage, wenn sie zufallsverteilt ist nur in 25% der Fälle eine korrekte Vorhersage macht. Bei 5000 Versuchen entspräche das einem Erwartungswert von 1250 Treffern. Bei vielen tausend Ratvorgängen waren die Abweichung vom Erwartungswert zwar nicht besonders groß aber laut Eyseneck trotzdem signifikant. Leider ist nicht angegeben, wie die Wahrscheinlichkeiten aus der Abweichung vom Erwartungswert bestimmt wurden.

Schaut man sich die Werte aber genauer an, so stellt man fest, dass die Werte nach positiven und negativen Abweichungen sortiert sind, unter diesen Umständen ist es aber selbstverständlich, dass die Abweichungen sich nicht gegenseitig aufheben und das scheinbare Abweichungen festgestellt werden, die ohne diese Sortierung nicht vorhanden wären. Es könnte zwar sein, so wie das in dem Text angedeutet wird, dass bewusst auch sogenannte PSI-Misses - Leistungen, die unter dem Erwartungswert liegen, angeblich weil das Unterbewusstsein bei einigen Personen, die nicht an PSI glauben die Erfolgsrate absichtlich nach unten drückt - produziert werden sollten.

Daneben waren lange Zeit sogenannte Zenerkarten in Gebrauch - ein Satz von 25 Karten mit 5 unterschiedlichen Symbolen - bei denen man von einer Trefferwahrscheinlichkeit von 20% ausgeht. Allerdings ist schon diese Annahme ist falsch, wenn die gezogenen Karten nicht zurückgesteckt werden und neu gemischt wird, denn dann ändert sich die Wahrscheinlichkeit mit jeder gezogenen Karte.

Die Verteilung die eine Schmidtmaschine produziert, nennt man Binomialverteilung und bei den Versuchen von Pearce und Pratt handelt es sich in Wirklichkeit um eine sogenannte Hypergeometrische Verteilung.

Unter Binomialverteilung versteht man eine Reihe von Zufallsereignissen die bei Wiederholung immer wieder dieselben Wahrscheinlichkeiten haben. Man vergleicht das mit einer Urne, in der sich Kugeln von unterschiedlicher Farbe befinden (z.B. 5 Rote und 20 Schwarze). Zieht man eine Kugel, beträgt die Wahrscheinlichkeit eine Rote zu ziehen 0,2.

Legt man die Kugel zurück ist die Wahrscheinlichkeit wieder eine rote Kugel zu ziehen wieder 0,2, die Wahrscheinlichkeit für eine schwarze Kugel weiterhin 0,8. Es gibt komplizierte Formeln, mit denen man unter diesen Vorraussetzungen berechnen kann, wie wahrscheinlich es ist z.B. drei rote Kugeln zu ziehen - entweder in einer bestimmten Reihenfolge (z.B. RSRRSSS) oder auch unabhängig von der Reihenfolge.

Wenn man die Kugel nicht zurücklegt verändert sich die Wahrscheinlichkeit die eine oder andere Farbe zu ziehen bei jedem Schritt. Die Wahrscheinlichkeit als Erste eine rote Kugel zu ziehen beträgt 0,2 (5 von 25 Kugeln sind Rot: 5/25=0,2), die Wahrscheinlichkeit für eine Schwarze 20/25=0,8.

Die Wahrscheinlichkeit wieder eine rote Kugel zu ziehen beträgt aber nur noch 4/24=0,167, weil wir eine rote Kugel schon beiseite gelegt haben, aber die 20 schwarzen Kugeln befinden sich noch in der Urne. Die Wahrscheinlichkeit als Zweites eine schwarze Kugel zu ziehen beträgt also 20/24=0,83, usw.

Die Anzahl der Kugeln nimmt also bei jedem Schritt um ein ab, während die Anzahl der roten und schwarzen Kugeln jeweils um eins reduziert werden muss, wenn die eine oder andere Farbe gezogen wird. Deshalb verändert sich die Wahrscheinlichkeit bei jedem Schritt.

Der eigentliche Fehler besteht hier aber nicht in der Vorrausetzung der falschen Verteilung, sondern in der Annahme das man den Erwartungswert aus einer vollständig zufälligen Verteilung ableiten kann.

Aber man müsste sowohl bei der Schmidtmaschine als auch bei den Pearce-Pratt-Versuchen mit Zenerkarten von 1933 bis 1934 untersuchen, welche Auswirkungen es haben würde, wenn der Proband einzelne Symbole (oder auch 2) bevorzugt nennt. Er würde damit seine Chancen erhöhen diese Symbole treffend vorherzusagen, denn zumindest bei der Hypergeometrischen Verteilung müssen sie schließlich auftauchen und auch bei der Binomialverteilung erhöht man seine Chancen, wenn man eine oder zwei Farben überproportional bevorzugt.

Dabei handelt es sich bei dieser Vorgehensweise noch nicht einmal zwingend um Betrug, sondern kann ganz unbewusst erfolgen.

Es bleibt die Frage, ob man dieses Rateverhalten bei den Experimenten zulassen muss, oder ob man den Probanden zwingen kann, seine Vorhersagen gleichmäßig zu verteilen. Ich denke, dass das nicht zulässig wäre. Wenn der Proband den "Eindruck" hat ein Symbol ein sechstes oder siebtes mal zu nennen kann ihm das nicht verwehrt werden, weil er sonst entscheiden müsste, welche der vorhergehenden Nennungen er streichen muss. Meiner Meinung nach kann diese Einschränkung nicht in Betracht kommen, weil der Proband gezwungen wäre seine bisherigen Entscheidungen immer wieder in Frage zu stellen, was zweifellos verwirrend und damit PSI-Effekten nicht zuträglich ist.

Ob diese asymmetrischen Vorhersagen tatsächlich einen Anteil an den hohen Trefferzahlen haben, müsste nun anhand der ursprünglichen Protokolle überprüft werden. Und in zukünftigen Experimenten müssen entsprechende Überlegungen in die Auswertung eingehen. Einschränkend muss aber angemerkt werden, dass die Versuche von Pratt mit zwei Kartensätzen, also 50 Karten durchgeführt wurden, dies verändert die Wahrscheinlichkeiten und ermöglicht andere Kombinationen, sollte aber an der prinzipiellen Erwartung an eine asymmetrische Vorhersage nichts ändern.

Entscheidend bei diesem Fall sind aber nicht eventuelle Mängel in der Versuchsdurchführung, sondern vor allem die Tatsache das sich der Versuch nicht wiederholen lässt. Angeblich hat Pearce seine Fähigkeiten plötzlich verloren und konnte sie in späteren Experimenten nicht mehr nachweisen. Gewöhnlich muss man unter solchen Umständen davon ausgehen, dass etwas bei den ursprünglichen Experimenten schief gegangen ist, aber die Parapsychologie scheint dazu zu neigen Ergebnisse bevorzugt, in ihre Richtung zu interpretieren.

Daneben sind gegen dieses Experiment auch immer wieder Vorwürfe erhoben worden, weil ein die Überwachung nicht lückenlos war, so sei Pearce während des Versuchs nicht beobachtet worden und ein Betrug nicht auszuschließen, was gerade in Bezug auf die nicht gegebene Wiederholbarkeit der Versuche zu denken geben kann. Auf diese Vorwürfe kann ich in diesem Rahmen leider nicht weiter eingehen, da mir nähere Details zu dieser Kritik nicht bekannt sind.

Aber nicht nur diese Untersuchungen aus den Jahren 1933 bis 1934, sondern selbst die aktuellsten Forschungen des Princeton Engineering Anomalies Research (PEAR) Labors in den 1980ern zeigen gravierende methodische und statistische Mängel, sodass man auch hier davon ausgehen muss, dass diese neuesten Experimente nur wenig Beweiskraft haben, wie G.P. Hansen in seiner Kritik belegen kann.

Man kann der Wissenschaft also nur in Einzelfällen vorwerfen, dass sie ihren Standpunkt zu emotional vertritt, aber nicht dass sie überzeugende Belege für entsprechende Phänomene ablehnen würden. Tatsächlich genügen die vorgelegten Ergebnisse einfach nicht den Kriterien, die an ein wissenschaftliches Experiment oder eine objektive Beobachtung gestellt werden müssen.

Links zu Thema:

IGPP: Basisinformationen zur parapsychologischen Forschung

Felicity's CRIME FILES

Paragnost Gerard Croiset en prof. Tenhaeff (Hoebens)

Gérard Croiset, Puissant Psychique Paranormal aux Dons Divins de Devin

Parapsychology - Lecture 2. Experiments in ESP

REVIEW OF THE PEARCE-PRATT DISTANCE SERIES OF ESP TESTS (J.B. Rhine, J.G. Pratt )

CRITIQUE OF THE PEAR REMOTE-VIEWING EXPERIMENTS (G.P. Hansen et.al.)

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