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Alternative Medizin ist groß im Kommen, aber leider beruht sie allzu häufig nicht auf nachvollziehbaren wissenschaftlichen Grundlagen. Das muss nicht notwendigerweise ein Kriterium sein, sie abzulehnen. Aber wenn man versucht in Studien nicht nachweisbare Effekte mit pseudowissenschaftlichen Erklärungen zu begründen, die einer kritischen Analyse nicht standhalten, dann muss man davon ausgehen, dass hier nicht unbedingt das Wohl der Patienten im Interesse der Anwender liegt.
Die
Bioresonanztherapie ist ein Beispiel für eine solche umstrittene
Behandlungsmethode, denn selbst nachdem in den USA die Federal Trade Commission
(FTC) im Oktober 2002 einen Anbieter der Bioresonanztherapie erfolgreich auf
Schadensersatz verklagt hat, der sie im Internet für die Krebstherapie
angeboten hatte und eine Studie im "Int Arch Allergy Immunol" vom
Februar 1997 zeigt, dass sie bei Neurodermitis wirkungslos ist.
["Efficacy trial of bioresonance in children with atopic dermatitis", Schöni et.al.]
Trotzdem scheint sie sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit zu erfreuen. Insbesondere wird sie bei uns angeboten, um Allergien zu lindern, aber auch um Neurodermitis und andere Hautkrankheiten zu behandeln.
Die Idee bei der Therapie mit Bioresonanz geht auf der Tatsache zurück, das Informationen im menschlichen Körper unter anderem auf elektrischem Wege ausgetauscht werden, und das diese biologischen Signale von Nerven und Muskeln messbar sind. Sie vernachlässigt dabei allerdings, dass auch Hormone und viele andere Botenstoffe und Neurotransmitter für die Reizweiterleitung notwendig sind.
Die physikalischen Grundlagen der Bioresonanz basieren aber auch auf der falsch verstandenen Tatsache, dass Materie und Energie einander Äquivalent sind, wie wir seit Einstein wissen. Dabei handelt es sich nicht um elektrische Energie und die de Broglie Wellenlänge, die jedem Teilchen zugeordnet werden kann, ist keine elektromagnetische Frequenz, sondern Ausdruck dafür, dass sich jedes Teilchen auch wie eine Welle verhalten kann, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt sind.
Anhänger und Vertreter der Bioresonanz vereinfachen diese biologischen und physikalischen Tatsachen in grober und verfälschender Weise, so dass sich für den Laien ein scheinbar schlüssiges Konzept ergibt, das ohne Fachwissen nicht ohne weiteres widerlegt werden kann.
Sie gehen im Folgenden davon aus, dass die aufgezeichneten Signale nach guten und schlechten unterschieden werden können, leider wird nicht klar, nach welchen Kriterien das geschieht und was hier als Maßstab gewählt wird. Der Einfachheit halber spricht man von einer Phasenverschiebung von 180° aber es wird nicht klar, wie dadurch gute von schlechten Schwingungen getrennt werden, ganz abgesehen davon, dass nur sehr einfache sinusförmige Schwingungen durch eine einfache Phasenverschiebung ausgelöscht werden können. Elektromagnetische Signale biologischen Ursprungs haben im Allgemeinen eine erheblich kompliziertere Charakteristik.
Eine andere Erklärung bezieht das Prinzip der Resonanz, wie es aus der Akustik bekannt ist mit ein. Dazu bringt man eine Probe - von einem Gesunden oder ein Homöopathisches Präparat - in das Gerät ein, das die guten Schwingungen verstärken soll. Ein wesentliches Problem ist dabei allerdings, dass die verwendeten Geräte diese "ultrafeinen Schwingungen" im Rauschen der Verstärker untergehen - sie unterscheiden sich schließlich nicht wesentlich von Hi-Fi-Anlagen und können nur bestimmte Frequenzbereiche verarbeiten. Angeblich wirkt das im Grundrauschen verborgene Signal trotzdem.
Aber auch die klassische Medizin verwendet elektromagnetische Signale zur Diagnose, so wird beispielsweise beim EKG die elektrische Aktivität des Herzens gemessen, und man kann aus den Daten Rückschlüsse auf die Abläufe im Herzen und die Reizausbreitung im Herzen ziehen. Insbesondere sind einige krankhafte Veränderungen daraus ablesbar.
Ebenso kann man mit einem EEG Erkenntnisse über die Aktivität in bestimmten Regionen des Gehirns gewinnen, die unter bestimmten Umständen Aufschluss über Funktionsstörungen geben können. Allerdings ist auch die Interpretation eines EEG sehr von der Erfahrung des Arztes abhängig und keine exakte Wissenschaft, da die Funktion des Gehirns nicht vollends entschlüsselt ist und das EEG auch nur eine begrenzte Auflösung hat - es werden eine begrenzte Zahl von Elektroden am Kopf des Patienten, über den bekannten Gehirnarealen, platziert.
Das Gleiche gilt auch für das EKG, in beiden Fällen gibt Schemata für die Anordnung der Elektroden, die eingehalten werden müssen, um vergleichbare und reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten.
In der Bioresonanztherapie macht man unter Umständen nur zwei Ableitungen an den Händen des Patienten und versucht diese unspezifischen Signale zu interpretieren - immerhin wird zugegeben, dass der Hautwiderstand sehr variabel ist und einen großen Einfluss haben kann.
Die Therapie erfolgt dann angeblich in der Form das die schlechten Signale gefiltert werden und man einen passenden Reiz zurückschickt, der die schlechten Frequenzen aufhebt.
Diese Idee ist sehr originell und man verwendet ähnliche Verfahren in der Akustik um unerwünschten Lärm zu vermindern. Hier heißt das Verfahren Antischall und beruht auf dem Prinzip, das sich Schallwellen gegenseitig aufheben können, wenn ein Wellental auf einen Wellenberg trifft - bei Schallwellen handelt es sich um Dichteschwankungen, die sich in Luft oder einem anderen Medium ausbreiten. Man nimmt also eine unerwünschte Schallquelle mit einem Mikrofon auf, lässt einen Computer ein passendes akustisches Signal berechnen und gibt dieses über einen Lautsprecher wieder aus. Im Idealfall wird die Lärmquelle zumindest teilweise unterdrückt. Dieses Verfahren wird zum Beispiel in Flugzeugen eingesetzt, um dem Piloten die Kommunikation mit dem Tower zu erleichtern, dazu unterdrückt man das Dröhnen der Triebwerke.
Aber beim Antischall bleiben die Schallquellen - in meinem Beispiel die Flugzeugtriebwerke - unverändert erhalten. So kommt zur Fragwürdigkeit der angewandten Methode in der Bioresonanztherapie noch die Frage hinzu, was man sich davon verspricht, wenn man Signale, die den Körper auf Probleme hinweisen unterdrückt. Man macht damit immerhin genau das, was man an der konventionellen Medizin immer wieder bemängelt, nämlich das nur Symptome behandelt werden und nicht die Ursachen.
Die Anhänger der Bioresonanztherapie behaupten zwar, dass durch ihr Verfahren die Ursachen beseitigt werden oder der Heilungsprozess im Anschluss einsetzen kann, aber diese Argumentation ist nicht nachvollziehbar, wenn nur Signalweiterleitungen unterdrückt werden.