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Das Gedächtnis des Wassers

Wasser ist ein ganz besonderer Stoff. Ein Großteil der Erde ist mit Wasser bedeckt und Lebewesen bestehen überwiegend aus Wasser. Selbst in den Weiten des Universums und auf fremden Planeten scheint Wasser vorzukommen.

Darüber hinaus hat Wasser außergewöhnliche Eigenschaften, wie zum Beispiel diejenige das es bei 4 °C unter Normaldruck die höchste Dichte hat, was Fischen im Winter das überleben in zugefrorenen Seen ermöglicht. Und schließlich sind da noch unzählige wunderschöne Schneeflocken, von denen angeblich keine der anderen gleicht - was sich leider nicht nachprüfen lässt, da niemand sich alle Schneeflocken angesehen hat.

Es ist also kein Wunder, wenn man vom Wasser fasziniert ist, aber auf der anderen Seite sind viele dem Wasser zugeschriebenen Fähigkeiten wissenschaftlich nicht haltbar und beruhen auf Aberglauben und sogar bewusster Falschinformation. Denn Wasser ist immer noch ein sehr günstiger Rohstoff und die Gewinnspannen sind enorm (selbst wenn die Preise im Einzelfall gering erscheinen), wenn man ihm ein paar zusätzliche Eigenschaften zuschreibt.

Ein gern gezeigtes Beispiel sind Wasserkristalle - gewöhnliches Eis - die angeblich unter Einfluss von Schall oder elektromagnetischen Wellen besondere Formen hervorbringen sollen. Aber selbst Eiskristalle die unter immer wieder gleichen Bedingungen erzeugt werden - wie zum Beispiel bei einem Schneesturm - unterscheiden sich deutlich von einander und lediglich die sechseckige Grundstruktur bleibt erhalten.

Wenn man an diesen Kristallen Eigenschaften untersuchen möchte, so kann man das nur über die mathematische Form der Fraktale machen, die genau solche Bilder parametrisieren kann. Meines Wissens nach sind Bilder von Wasserkristallen die sich unter definierten Bedingungen gebildet haben noch nicht nach diesen Gesichtspunkten untersucht worden.

Hinzu kommt aber auch, dass einige wenige Kristalle keine Aussage über einen übergeordneten Zusammenhang zulassen. Die Experimente müssen statistisch sicher sein - dazu gehören umfangreiche Versuchsreihen mit immer wieder gleichen Voraussetzungen - und die Experimente müssen von unabhängigen Wissenschaftlern überprüft und wiederholt werden. Ein Experiment, das sich diesen Kriterien nicht stellt, ist unwissenschaftlich und nicht geeignet, daraus irgendwelche Schlüsse zu ziehen.

Eine weitere Behauptung ist, dass Wasser Informationen speichern könnte, zum Beispiel von Molekülen, mit denen es einmal in Berührung gekommen ist. Einige Anwendungen dieser Behauptung sind zum Beispiel Wassercluster, Polywasser und die Homöopathie, wo einige Lösungen so verdünnt sind, dass man davon ausgehen, kann in der Probe kein Molekül der ursprünglichen Substanz mehr zu finden - einmal abgesehen davon, dass die Wirksubstanzen recht willkürlich ausgewählt werden - wenn man von der Ähnlichkeit von Krankheitssymptomen und Vergiftungserscheinungen ausgeht. Ehrlicher wäre es zu sagen, dass man nicht weiß, warum ein Stoff wirkt und der andere nicht. Auch in der Medizin weiß man nicht in jedem Fall, wie einzelne Medikamente wirken, aber sie haben ihre Wirksamkeit in klinischen Studien bewiesen - allerdings es gibt auch viele Medikamente, die nicht geprüft wurden und deren Wirksamkeit umstritten ist.

Natürlich ist es richtig, dass Wasser auch in flüssigem und sogar bis in den gasförmigen Zustand hinein chemische Bindungen zwischen einzelnen Wassermolekülen eingeht. Es handelt sich dabei zunächst einmal um elektromagnetische Kräfte, die wirken können, weil das H2O ein polares Molekül ist, das auf der Seite der Wasserstoffatome etwas mehr positiv geladen ist und auf der Seite des Sauerstoffs etwas mehr negativ - deshalb sind viele ionische Verbindungen darin gut löslich. Eine andere Verbindung ist die Wasserstoffbrückenbindung zwischen einem H-Atom des einen Wassermoleküls und dem O-Atom des Anderen, diese Brückenbindungen sind so stabil, dass sie selbst im Wasserdampf noch nicht komplett gelöst werden. Aber es handelt sich hierbei um ein dynamisches Gleichgewicht, d.h. die Bindungen zwischen den Molekülen wechseln ständig, während einige Verbindungen gelöst werden, bilden sich woanders neue, sodass nur im Mittel eine gewisse Anzahl an Bindungen bei einer bestimmten Temperatur aufrechterhalten werden. Die einzelne Verbindung hat eine Lebensdauer in der Größenordnung von wenigen Nanosekunden (10-9 Sekunden).

Die einzige Möglichkeit Informationen zu speichern, wären wahrscheinlich diese Wasserstoffbrücken, aber die Bindungen sind relativ schwach und nicht statisch, deshalb muss man eine Informationsspeicherung auf diesem Wege als unwahrscheinlich einstufen.

Auf Grund seiner Polarität kann Wasser um geladene Moleküle eine Schicht aus H2O-Molekülen bilden, die um die Moleküle herum angeordnet sind. So könnten auch bei löslichen Substanzen lokal erheblich höhere Konzentrationen vorliegen. Das hat natürlich nichts mit einem Gedächtnis des Wassers zu tun, da die Hydratschicht sich wieder auflöst, wenn man die fremden Moleküle wieder entfernt. Da diese Cluster nur bei sehr hohen Konzentrationen auftreten, ist der Effekt hier irrelevant.

Aber abgesehen davon, dass es keine Hinweise auf die Speicherfähigkeit von Wasser gibt, kennt man auch keinen Mechanismus, mit dem ein biologischer Organismus diese Information wieder nutzbar machen könnte. Organismen kommunizieren auf zellularer Ebene durch den Austausch von Botenstoffen - wie Neurotransmitter, Hormone oder elektrische Signale - wie bei Nervenzellen. Hier gibt es keinen Ansatzpunkt, um Informationen aus einem Medium wie Wasser aufnehmen zukönnen, weil die Biologie dafür keinen Rezeptor entwickeln kann, die meist auf der Basis des Schlüssel-Schloss-Prinzips arbeiten, in dem nur bestimmte Moleküle von bestimmten Rezeptoren erkannt werden. Die wechselnden Wasserstoffbrücken eignen sich nicht dafür, da hier keine wiedererkennbare Struktur gebildet werden kann. So bleibt nur die Möglichkeit, dass das Wasser direkt mit Bestandteilen der Zelle wechselwirkt, dazu muss das Wasser aber zunächst in die Zelle eindringen, was für komplexe Gebilde sehr unwahrscheinlich ist muss - für Ihren Transport sind spezielle Kanäle in die Membran eingebaut - weil dabei die Zellmembran überwunden werden muss, die aber nach heutigem Kenntnisstand Wassermoleküle nur einzeln passieren lässt.

Es wird also deutlich, dass Wasser nicht die Voraussetzungen erfüllt, um Informationen speichern zu können und diese auch nicht an biologische Systeme übertragen könnte. Esoterische Übermittlungsmethoden - wie Essenzen oder Psora - kann ich im Rahmen diesen Artikels leider nicht behandeln, weil sie jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehren und lediglich Ausdruck des mit der Homöopathie verbundenen Glaubenssystems sind. Insbesondere Verdünnungen, bei denen man davon ausgehen muss, dass sich in der Lösung kein einziges Wirkstoffmolekül mehr befindet, sollten stutzig machen. Immerhin kommt Wasser ständig mit allen möglichen Molekülen in Verbindung, sodass selbst in reinstem Wasser Verunreinigungen zu finden sind, die die homöopathischen Dosen bei weitem übersteigen. Ganz zu schweigen von der vorgeblichen Informationsspeicherung, die demnach so gut wie jedes Molekül auf der Erde und im Weltraum schon lange beinhalten müsste.

Aber nicht immer ist der Wirkstoff in der Homöopathie sind so stark verdünnt wie die, auf die sich meine Kritik bezieht, bei Verdünnungen von C4 bis C12 (entsprechend einem Verhältnis von 1:108 bis 1:1024 sind durchaus noch einige Moleküle in der Lösung vorhanden. Inzwischen gibt es in anderen Wissenschaftsbereichen sogar Hinweise, dass einige toxische Substanzen auch unterhalb der bisher angenommenen Schwelle noch wirksam sind, es ist demnach nicht ausgeschlossen, dass dies auch auf die Homöopathie übertragbar ist.

Aber wenn nur einige wenige Moleküle in der Lösung vorhanden sind, muss man sich fragen, auf welche Weise diese vereinzelten Moleküle ihre Wirkung entfalten sollen. Biologische Systeme arbeiten nicht wie Lichtschalter, ein Rezeptor, der beim Ankoppeln eines Moleküls eine Reaktion auslöst, ist ein komplexes Molekül, das seine Funktion zum Beispiel durch eine Formänderung auslöst. Diese Veränderungen können aufgrund der thermischen Bewegung der Moleküle aber auch immer wieder spontan auftreten. Um eine Reaktionskette in Gang zu setzen, ist deshalb immer mehr als nur ein einziger Rezeptor erforderlich, um statistisch eine signifikante Änderung bei der Gesamtheit der Rezeptoren hervorzurufen.

Das Gleiche gilt natürlich auch für Enzyme - die zum Beispiel von einem Wirkstoff blockiert oder zur Aktivität angeregt werden sollen - und alle anderen Regelmechanismen im Körper. Wenn ein Medikament wirken soll, dann muss es zumindest diese Schwelle überschreiten. In der Homöopathie ist es nun offensichtlich so, dass man sich dieser Schwelle von unten nähert, während man in der Pharmazie von oben kommt - um Nebenwirkungen zu minimieren verringert man auch hier die Konzentration. Wo genau diese Schwelle liegt, ist zweifellos ein interessantes Gebiet für die Forschung. Sicherlich kann man aber keine pauschale Aussage treffen und muss davon ausgehen, dass diese Schwellen von Person zu Person und von Krankheitsbild zu Krankheitsbild unterschiedlich sind.

Die Tatsache, dass die Homöopathie noch nicht verstanden ist, ist also grundsätzlich kein Argument sie abzulehnen (zumindest, wenn es um Konzentrationen geht, die physiologisch relevant sein können), denn das gilt auch für viele konventionelle Medikamente. Aber genauso wenig ist ihr Alter oder ihre Verbreitung ein Argument für ihre Güte. Das einzige Mittel die Wirksamkeit einer Therapie nachzuweisen ist eine klinische Studie - wobei auch diese immer mit gewissen Unzulänglichkeiten behaftet sind, weil die Patienten nun mal keine kontrollierbaren Versuchskaninchen sind, die in großer Zahl untersucht werden können.

In Analysen der bisher durchgeführten Studien - die in großer Zahl vorliegen - hat man aber herausgefunden, dass Homöopathie entweder keine Effekte zeigt, oder die positiven Effekte nicht so stark ausgeprägt sind, wie oft behauptet. Hinzu kommt, dass viele Studien von mangelnder Qualität und Methodik sind. Auch Studien, die von Vertretern der Homöopathie durchgeführt wurden, kommen in der Regel nicht zu einem eindeutigen Ergebnis, und können oft nur darauf hinweisen, dass weitere Studien erforderlich sind. Ein Beleg für die Wirksamkeit dieser Therapieform konnte jedoch noch nicht erbracht werden (siehe Anhang).

In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass die Homöopathie in Deutschland zwar im Arzneimittelgesetz erwähnt wird, sie gilt jedoch als besondere Therapieform und darf deshalb ohne Wirkungsnachweis auf den Markt gebracht werden, lediglich eine Registrierung ist nach dem deutschen Arzneimittelgesetz erforderlich. Es stimmt also nicht, wenn behauptet wird homöopathische Therapeutika würden denselben strengen Kriterien unterliegen wie andere Medikamente.

Oft wird darauf hingewiesen, dass die verdünnten Lösungen keine Nebenwirkungen haben. Hier sollte man jedoch nicht außer Acht lassen, dass dies nicht nur für die Wirkstoffe gilt, sondern auch für den Fall, dass konventionelle Heilmethoden nicht angewandt werden und Krankheiten verschleppt oder nicht hinreichend behandelt werden.

Sollte die Homöopathie also nicht nur nebenwirkungs-, sondern auch wirkungsfrei sein, kann sie die Situation des Patienten bei generell ausbleibender oder zu später Behandlung nachteilig beeinflussen.

Trotzdem sind viele Menschen von der Wirkung der homöopathischen Therapeutika überzeugt. Hier muss man wieder berücksichtigen, dass in Studien zu der Wirkung von Medikamenten herausgefunden wurde, dass auch Placebos, die keinen Wirkstoff enthalten, bei bis zu 40% der Versuchspersonen eine Besserung bewirken. Hierbei spielt die Psychologie eine wesentliche Rolle, denn schon der Glaube an die Wirkung des Medikaments kann die Selbstheilungskräfte aktivieren und zu einer Besserung des Zustands - sei das nun objektiv oder subjektiv - führen. Und auch die Behauptung, dass Homöopathie auch bei Nutz- und Haustieren wirken soll, konnte in verschiedenen Studien der Veterinärmedizin ebenfalls nicht bewiesen werden.

Die Berichte von positiven Wirkungen beruhen nicht auf objektiven Daten wie sie in Studien gewonnen werden, sondern auf Aussagen von Ärzten und zufriedenen Patienten. Hier darf auch die Neigung des Menschen zu Selbsttäuschung und Autosuggestion nicht unterschätzt werden, was subjektiv als Besserung wahrgenommen wird, ist nicht immer objektiv der Fall.

Hinzu kommt bei den alternativen Heilmethoden aber, dass sich die Anwender intensiver und persönlicher um ihre Kunden kümmern, was ebenfalls positiv aufgenommen wird und einen besseren Erfolg bewirken kann. In dieser Hinsicht können die niedergelassenen Ärzte vielleicht doch noch etwas von den Heilpraktikern lernen.

Links zu Thema:

Erfolge der Homöopathie - nur ein Placebo-Effekt?

Physik und Chemie des Wassers

Die Unterstützung der Homöopathie und ähnlicher Therapierichtungen durch die Krankenkassen

Water Cluster Pseudoscience

Homoepaty: A position statement by the National Council against Health Fraud

SAFETY PROFILE FOR HOMOEOPATHY REFUTED

NCAHF Position Paper on Homeopathy

Homoepathy update

A systematic review of systematic reviews of homeopathy (British Journal of Clinical Pharmacology Volume 54 Issue 6 Page 577 - December 2002)

A systematic review of the quality of homeopathic clinical trials (BMC Complement Altern Med. 2001; 1 (1): 12)

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