Die Psychologie
"Geschieht in der Außenwelt etwas Außergewöhnliches oder Eindrucksvolles, sei es Mensch, Sache oder Idee, so kann sich der unbewusste Inhalt darauf projizieren. Dadurch wird der Projektionsträger
numinos und mit mythischen Kräften ausgestattet. Kraft seiner Numinosität wirkt er in höchstem Maße suggestiv und eignet sich eine Legende an, die sich in ihren Grundzügen wiederholt. Der Anlass zu den Manifestationen der latenten psychischen Inhalte gibt das UFO."
C.G. Jung: Ein Moderner Mythos, S.125, Rascher Verlag, Zürich 1958)
 |
 |
Vergleichen Sie doch einmal einen Puck der angelsächschsichen Mythologie mit einen kleinen grauen Außerirdischen. Aus " J. Fiebag"
|
Inhalt
Das Zitat von C.G. Jung bedeutet in wesentlichen nichts anderes, als dass ein beeindruckendes Ereignis welcher Art auch immer vom Beobachter nach Gutdünken seines Unterbewusstseins als UFO gedeutet werden kann. Diese Interpretation, die sich im Gedächtnis festsetzt ist dabei geprägt vom sozialen Umfeld des Zeugen, und den Gegebenheiten vor Ort, eben dem Anlass für die Sichtung.
Das heißt aber nicht, dass hauptsächlich geistesschwache und Menschen mit geringer Bildung auf solche Ereignisse ansprechen, tatsächlich geht das Phänomen durch alle Schichten der Bevölkerung, ob Ingenieure, Polizisten, Bauern oder Anwälte.
C.G. Jung ging allerdings nicht von einem in der Realität vorhandenen Ereignis aus, sondern betrachte das Phänomen als einen Traum, der vom
kollektiven Unterbewusstsein
ausgeht. Trotzdem denke ich, dass seine Aussage sich auch auf tatsächliche Beobachtungen anwenden lässt.
Besonders häufig sind zum Beispiel Fälle, in denen ein Flugzeug, ein Ballon, oder die Venus für ein außerirdische Flugobjekt gehalten werden, vor allem wenn man zudem auf einsamen Feldwegen unterwegs ist, welche von jeher eine ungemütliche Stimmung ausstrahlen, Erinnern sie sich noch an das
Märchen von Rotkäppchen?
Nun, das war zugegebenermaßen etwas Plump, aber es soll ja auch nur der Veranschaulichung dienen.
nach oben
Ein wichtiger Punkt ist auch die schon erwähnte Wahrnehmung und Interpretation.
 |
Dies sind Skizzen, welche Augenzeugen von Kometen angefertigt haben. Aus " U. Magin "
|
Ganz abgesehen davon ob wirklich ein UFO vor dem Zeugen schwebt oder nicht, er muss auch bereit sein, es zu sehen. Wenn die Aufmerksamkeit zum Beispiel durch kürzlich gehörte berichte über UFOs geschärft ist, so wird es dem Beobachter
leichter fallen ein außerirdisches Flugobjekt zu sehen, als dem Anwohner einer Einflugschneise, der aus seiner täglichen Beobachtung weiß, wie die Landelichter eines Jumbos im Nebel aussehen. Hingegen wird der Beobachter, der Flugzeuge gut kennt sich vielleicht schnell von anderen Phänomenen beeindrucken lassen, wie zum Beispiel von Lichtern die sich ohne erkennbaren Grund mit großer Geschwindigkeit durch die Nacht bewegen. Und dabei sind es möglicherweise nur die Skybeamer einer neuen Diskothek, die ihre Strahlen in die Wolken werfen.
Ein kleines Experiment zur Lenkbarkeit der Aufmerksamkeit kann uns dies veranschaulichen:
Dies ist keinesfalls Diskriminierend gemeint, aber versuchen sie doch mal eine Personengruppe wie zum Beispiel die Typen mit den roten Baseballkappen bewusst wahrzunehmen. Das geht am besten, wenn sie bei jeder Begegnung eine kleine Handbewegung ritualisieren oder einen festgelegten Satz aufsagen. Binnen kürzester Zeit geht ihnen dieses Verhalten in Fleisch und Blut über, und Sie können gewiss sein, keine rote Kappe mehr zu übersehen, möglicherweise ist es gar nicht mal so einfach sich des Verhalten wieder abzugewöhnen.
nach oben
Des weiteren kommt hinzu, dass der Mensch keine
Absolute Erinnerung hat, Ereignisse verändern sich, je öfter man über sie nachdenkt, das passiert zumeist ungewollt lässt sich aber leicht belegen, wenn man sich einmal die Zeugenaussagen nach einem Verkehrsunfall ansieht. hat man fünf Zeugen, so kann es durchaus passieren, dass man auch fünf verschieden Aussagen erhält, die sich nicht nur in Details unterscheiden.
Dies liegt vor allem daran, dass das Geschehen unbewusst ergänzt wird, es wird eine Erklärung gesucht, oder der es wird von der eigenen Erfahrung ausgegangen. Dies geschieht in der Regel weder absichtlich noch mit bösen Hintergedanken, sondern unbewusst.
An dieser Stelle, wie an anderen selbstverständlich auch, kann der Interviewer Fehler machen, indem er den Zeugen, die Zeugin, durch falsche Fragen zu einer eigenen Interpretation der Ereignisse verleitet, die dann im Bericht als Tatsachen wieder auftauchen. Derartige Suggestivfragen müssen also unbedingt vermieden werden, zumal bei einer Gruppe von unabhängigen Zeugen die Glaubwürdigkeit erheblich steigt, wenn davon ausgegangen werden kann, dass sie nicht beeinflusst wurden, und sich nicht absprechen konnten. Immer vorausgesetzt, dass kein Betrugsfall vorliegt.
nach oben
Ein Faktum welches Zeugenaussagen sehr Glaubwürdig macht, habe ich bisher verschwiegen, das Vorhandensein mehrerer unabhängiger Zeugen, in solchen Fällen kommt es darauf an, ob sich die Zeugen gegenseitig beeinflusst haben, und dies auch taten.
Besonders hervorzuheben ist hier das Phänomen der Massen
hysterie
. Bestimmt haben sie schon einmal die Teenager auf einem "Take That" Konzert gesehen, und werden mir zustimmen, dass dieses wilde Gekreische und herumgezappel nicht zum selbstverständlichen Verhaltensrepertoire dieser jungen Leute gehört.
Es der Herdentrieb des Menschen, welcher uns in der Gruppe manchmal ausflippen lassen kann. In der Menge gleichgesinnter Geister kann sich, durch die unausgesprochene Unterstützung der Mitglieder, die Situation aufschaukeln, bis hin zur Irrationalität. Sollten einige wenige in der Gruppe sein die noch einen klaren Durchblick haben, so kommen sie in solchen Situationen ohnehin nicht mehr zum Zuge. Als besonders erschreckendes Beispiel sei hier nur die Rede von Goebbels vom 18.02.1943 genannt, ("Wollt ihr den totalen Krieg?" ...).
Auch bei Sichtungen von Lichtern am nächtlichen Himmel, welcher Ursache sie auch immer sein mögen ist derartiges ausschalten des persönlichen Verstandes durchaus vorstellbar, und hinterher in der Befragung spielen dann die eigene Erinnerung, die Wahrnehmung und der soziale Hintergrund eine wichtige Rolle.
nach oben
Menschen lassen sich leichter beeinflussen, als das vielen von uns vielleicht bewusst ist. In den USA sind ein paar Fälle bekanntgeworden, in denen Therapeuten Hypnose und andere Suggestionsverfahren eingesetzt haben um die verschütteten Erinnerungen ihrer Klienten aufzudecken. (In einem konkreten Fall ließ sich später nachweisen, dass die erinnerten Vergawaltigungen nie stattgefunden haben, die Frau war. wie sich herausstellte, noch Jungfrau, der Therapeut wurde auf Schadensersatz verklagt.)
Was bedeuten diese Erkenntnisse nun in Hinblick auf das UFO-Phänomen.
Bis vor kurzem war ich tatsächlich noch der Meinung, dass man unter Hypnose zwar nicht zwangsläufig von den tatsächlich stattgefundenen Ereignissen berichtet, aber dass dieser Weg doch eine Möglichkeit bietet herauszufinden was die Zeugen glaubten erlebt zu haben.
Dies ist nicht zutreffend, in der Tat ist es so, dass eine Person unter Hypnose ist für Suggestion sehr anfällig, es ist sogar in manchen Fällen so, dass die Person unter Hypnose noch ermutigt wird ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen.
Die auf diese Weise geschaffenen Errinerungen, werden von den Patienten in ihr Leben aufgenommen und werden für tatsächliche Ereignisse gehalten. Ich möchte hiermit keinesfalls behaupten, dass dies in jedem Fall so ist, und sicherlich werden einige Menschen anfälliger für Suggestion sein, als andere, aber in Bezug auf das hier untersuchte Phänomen gemahnt diese Erkenntnis doch zu Vorsicht.
(Nachzulesen in " Spektrum der Wissenschaft
" 1/98, Falsche Errinerungen von E.F. Loftus)
nach oben
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass bei der Untersuchung der Zeugenaussagen einer Sichtung viele Faktoren eine Rolle spielen, welche alle zusammen das Ergebnis und die Glaubwürdigkeit beeinflussen.
Zunächst wäre da das soziale und kulturelle Umfeld, die Einfluss nehmen auf die Interpretation und Wahrnehmung des Erreignisses. Dann spielt die Erinnerung eine Rolle, wie gut ist sie, kann man sie als objektiv ansehen, wie decken sich die Zeugenaussagen verschiedener Personen. Und nicht zu vergessen, wie waren die psychologischen Umstände zur Zeit der Sichtung.
Ein weiter nicht zu vernachlässigender Punkt ist der Ort und die physischen Gegebenheiten, siehe dazu auch:
Die Physik.
Ich bin bewusst nicht auf Fälschungen eingegangen, von denen manche durchaus sehr raffiniert sein können. Was Menschen dazu treibt auf diese Weise ihre Geltungsucht zu befriedigen soll im Moment nicht Thema dieser Ausführungen sein.
nach oben