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Das Innenweltbild - eine plausible Alternative?

Mathematisch macht es keinen großen Unterschied, ob wir auf der Oberfläche oder dem Innenraum einer Kugel wohnen und so ist es kaum verwunderlich, wenn es immer noch Anhänger des himmelszentrischen Weltbildes gibt (nicht zu verwechseln mit der Hohle Erde Theorie, die davon ausgeht, dass wir auf der Oberfläche einer Kugelschale leben).

Die Welt als Hohlkugel zu betrachten geht ursprünglich auf die biblische Textstelle zurück, die sagt, dass Gott im Zentrum des Weltalls sitzt und die Erde sein Fußschemel ist.

Gott in eine kleine Kugel zu sperren mag genauso gewöhnungsbedürftig sein, wie die Tatsache, dass das gesamte beobachtete Universum in dieser Kugel mit einem Durchmesser von 12000 Kilometern Platz finden soll. Um die Innenwelt zu verstehen, muss man gewisse Voraussetzungen machen. Diese Axiome mögen willkürlich erscheinen, aber auch die moderne Physik geht davon aus, dass z.B. die Newton’schen Axiome universell gültig sind. Zwei Axiome muss man für die Hohlwelt voraussetzen.

Erstens: Die Lichtgeschwindigkeit ist nicht konstant, sondern verlangsamt sich, je näher sie ans Zentrum der Kugel kommt - genau im Zentrum stoppt das Licht. Laut allgemeiner Relativitätstheorie, die Licht als Maßstab nimmt, werden Längen zum Zentrum hin gestaucht, sodass man den Eindruck gewinnt das Universum hätte eine unendliche Ausdehnung.

Das zweite Axiom setzt gekrümmte Lichtstrahlen voraus, die sich alle auf das Zentrum der Kugel hin krümmen; nur Lichtstrahlen, die genau auf das Zentrum gerichtet sind, bewegen sich geradlinig auf dieses Zentrum zu.

Welche Kräfte hinter diesen Phänomenen stecken, kann die Theorie nicht erklären, aber es handelt sich schließlich um Axiome und auch einige physikalische Theorien können bislang nicht jede ihrer Voraussetzungen aus tiefer liegenden Grundlagen herleiten (es gibt allerdings Hinweise, dass sich die Relativitätstheorie aus der Stringtheorie herleiten lassen wird).

Es gibt verschiedene Argumente, die scheinbar für dieses Weltmodell zu sprechen scheinen, wie zum Beispiel die Tatsache, dass die Erdanziehungskraft im Mantel der Erde zunächst zunimmt - auf den ersten 1000 km bleibt sie aber nahezu konstant, das liegt aber daran, dass der Mantel eine geringere Dichte hat als der Kern - im Kern nimmt die Schwerkraft dann ab, weil die äußeren Schichten keine Beitrag mehr leisten.

Aber im Rahmen der Hohlkugelerde liegt hier außerdem ein Denkfehler vor, denn innerhalb einer Hohlkugel herrscht Schwerelosigkeit, weil die Anziehungskräfte der Massenelemente, die den Mantel ausmachen, sich in der Hohlkugel gegenseitig aufheben, deshalb müssten die Bewohner der Hohlerde allesamt ins Zentrum stürzen. Man kann sich das leider ohne Integralrechnung nicht ohne weiteres klar machen.

Ein weiteres Argument ist gelegentlich, dass zwei Lote in einem Bergwerk am Grund weiter von einander entfernt wären als an der Oberfläche. Da ein Lot immer auf denSchwerpunkt zeigt, soll das ein Hinweis auf die Schalengestalt der Erde sein. Das ist zum einen deshalb falsch, weil das Massenzentrum der Hohlkugel ebenfalls im Zentrum liegt, zum anderen kann das Ergebnis - das tatsächlich zu beobachten ist - sehr leicht durch die geologischen Verhältnisse in der Erdkruste erklärt werden. Die Erdkruste ist nämlich nicht homogen, sondern besteht aus dichteren und leichteren Gesteinssorten, sodass die

Richtung der Anziehungskraft überall leicht variiert. Ganz zu schweigen von Bergen und Tälern, die ganz offensichtlich große Massenunterschiede aufweisen.

Danben wird der so genannte Geradstreckenverleger angeführt, eine aufwendige Konstruktion, die es ermöglichen sollte, die Erdkrümmung unabhängig vom gekrümmten Licht nachweisen zu können. Die Idee hinter diesem Apparat ist, dass man Metallstücke, die präzise gefertigt wurden, nahtlos aneinander fügt und dann feststellt, dass sich die "gerade Strecke" dem Erdboden zuneigt - bzw. dem Meer, das eine glattere Oberfläche hat. Dabei vergaßen die Experimentatoren aber, dass sich auch noch so kurze Metallstücke unter dem Einfluss der Gravitation krümmen, ganz gleich, wie präzise die Stücke aneinander gefügt werden, sodass der Geradstreckenverleger ein falsches Ergebnis liefert. Da das Experiment nur einmal durchgeführt wurde, ist damals leider nicht aufgefallen, dass für unterschiedliche Teilstücke unterschiedliche Krümmungen gemessen werden würden.

Aber der Geradstreckenverleger kann aus einem weiteren Grund nicht funktionieren, denn in den Axiomen steht ja, dass sich das Licht langsamer bewegt, je näher man dem Zentrum kommt. Laut Einstein heißt das aber auch, dass Strecken gedehnt werden, je weiter man sich vom Zentrum entfernt. In einem Teilelement des Geradstreckenverlegers führt das dazu, dass Atome in den unteren Schichten einen größeren Durchmesser haben

als die in den Oberen - obwohl man das tatsächlich nicht messen kann, da die Lichtgeschwindigkeit das wieder ausgleicht. Das führt dazu, dass das Metallstück in Wirklichkeit leicht nach Oben gekrümmt ist, genau wie ein Lichtstrahl. Das führt dazu, dass der Geradstreckenverleger zum Nachweis einer Hohlerde genauso zwecklos ist wie ein Theodolith.

Auch die Ergebnisse, nämlich dass sich die Wasseroberfläche nach oben krümmt, ist nicht geeignet, die Theorie, dass wir in einer Kugelschale leben, zu stützen, denn auf Grund der Äquivalenz beider Modelle ist nicht einsichtig, warum es sich in einem Modell anders verhalten sollte als im anderen.

Ein letztes Argument möchte die Hohlwelttheorie damit stützen, dass es erklärt, dass Funkwellen, insbesondere Langwellen (150 - 350 kHz) könnten sich schließlich nicht um eine Kugel herum ausbreiten. Auch in dieser Argumentation stecken zwei schwerwiegende Fehler. Zum einen handelt es sich bei Funkwellen um Elektromagnetische Strahlung, genau wie Licht, das sich auch genauso verhalten muss. In diesem Weltbild heißt das, auch andere elektromagnetische Strahlung krümmt sich zum Zentrum der Hohlkugel hin, und würde nicht auf der anderen Seite der Erde ankommen.

Der zweite Punkt ist, dass - träfe eine geradlinige Ausbreitung von Funkwellen tatsächlich zu - die Zeiten, die das Funksignal braucht, erheblich kürzer wären als beobachtet. Insbesondere bei Reisen zu Mond oder anderen Planeten bräuchte das Signal deutlich weniger Zeit als von einer Seite der Erde zur anderen. Tatsächlich braucht es in beiden Modellen die Ionosphäre, um die Funksignale zu reflektieren und mangelndes physikalisches Wissen kann man nicht wegargumentieren.

Letztendlich stützen diese Argumente das himmelszentrische Weltbild nicht, so wie es aussieht, unterscheiden sich beide Anschauungen lediglich in einer mathematischen Transformation, die Berechnungen in der Innenwelt sehr viel komplizierter machen. Wie die Welt nun tatsächlich aussieht, kann man aufgrund dieser Argumente nicht feststellen, dass uns das Hohlkugelmodell so fremd vorkommt, liegt im wesentlich daran, das wir uns an das einfachere Vollkugelmodell gewöhnt haben.

Trotzdem möchte ich noch einige geologische und kosmologische Betrachtungen nfügen, die zeigen, wie sich das Modell einer Innenwelt anstrengen muss, um mit den modernen Erkenntnissen der Wissenschaft mithalten zu können. Immerhin basiert die Hohlwelttheorie auf dem Kenntnisstand des siebzehnten Jahrhunderts, als vieles über die Erde und den Kosmos noch nicht bekannt war.

Zunächst seien Gezeiten und Tektonik genannt. Die Gezeiten beruhen auf der Wechselwirkung der Sonne und des Mondes mit der Erde mittels Gravitation. Betrachten wir zunächst nur Erde und Mond, beide Körper bewegen sich im Newton’schen Bild um einen gemeinsamen Massenschwerpunkt, der zwar noch innerhalb der Erde liegt, weil diese viel schwerer ist als der Mond, aber nicht mit ihrem Mittelpunkt übereinstimmt.

Die Flut auf der dem Mond zugewandten Seite wird deshalb durch die Anziehungskraft zwischen den beiden Körpern erzeugt, die Flut auf der abgewandten Seite kommt aufgrund der Fliehkraft zustande, die hier auf die Wassermassen wirkt. Wenn die Erde

eine Schale um das gesamte Weltall bilden würde, kann sie keine Bewegung mitmachen, und so die Flut auf der mondabgewandten Seite nicht erklären - dass die Wassermassen nicht gleichmäßig vom Mond angezogen werden, liegt daran, dass die Gravitation sich auch nur mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet, was zu den bekannten Konsequenzen führt.

Die einzige Möglichkeit dieses Problem zu lösen ist, anzunehmen, dass sich die Hohlerde nicht bis Unendliche ausdehnt, sondern dass es sich lediglich um eine Kugelschale handelt, die ihrerseits Pendelbewegungen ausführen kann. Das ist nicht notwendigerweise ein Widerspruch zum Innenweltbild.

Aber seismische Messungen stehen sehr wohl im Widerspruch zu dieser Annahme, denn auch im Vollkugelweltbild müsste sich die Begrenzung zeigen, und zwar als Hohlraum im Inneren der Erde. Bei Erdbeben und Atombombentests haben Seismologen ein gutes Bild vom inneren Aufbau der Erde gewonnen, sodass man heute weiß, dass sich im Inneren eine Eisenkugel befindet und kein Hohlraum. Damit widerlegen diese Erkenntnisse die Hohlwelttheorie.

Das Hohlerdemodell legt außerdem einen ausgezeichneten Punkt im Universum fest, das Zentrum der Welt. Diese Festlegung eines allgemein gültigen Bezugspunktes führt laut Noethertheorem dazu, das die fundamentalen Erhaltungssätze der Energie, des Impulses und des Drehimpulses nicht mehr gelten würden. Verletzungen dieser Erhaltungssätze sind außerhalb der Heisenberg’schen Unschärferelation nicht beobachtet worden, was gegen die Existenz eines ausgezeichneten Punktes im Universum spricht.

Des Weiteren handelt es sich bei der Hohlkugelerde um ein statisches Modell des Kosmos, es geht davon aus, dass die Erde und das Weltall zu einem Zeitpunkt in der Vergangenheit erschaffen wurde und sich seit dem nicht wesentlich verändert hat. Die moderne Kosmologie lässt aber kaum noch Zweifel daran, dass unser Universum vor etwa 15 Mrd. Jahren in einem Urknall entstanden ist.

Wie sich daraus Galaxien, Sterne und Planeten entwickelt haben, ist noch nicht in allen Einzelheiten verstanden, aber wie sich aus diesem Ausgangspunkt eine Hohlerde als Grenze des Universums gebildet haben soll, die gegenüber allen anderen Punkten im >Universum ausgezeichnet ist, lässt sich nicht ohne weiteres nachvollziehen. Aber hier muss zugegeben werden, dass die veränderte Metrik - die Raumkrümmung und das Verhalten des Lichts - das erklären könnten.

Die Anhänger des Innenweltbildes versuchen hier zu argumentieren, dass diese Erkenntnisse über die Ausdehnung des Weltalls nicht stimmen können, weil die Geschwindigkeit, mit der sich die Galaxien von uns entfernen, mit ihrer Entfernung zunimmt. Tatsächlich ist das aber im modernen Weltbild der Kosmologie kein Problem, da sich das Universum gleichmäßig ausdehnt, haben wir lediglich den Eindruck, entfernte Gebiete würden sich schneller ausdehnen. Man kann sich das leicht an einem Luftballon klar machen, malt man die Erde als einen Punkt und ein paar Sterne d’rum herum, sieht man, dass sich beim Aufblasen entfernte Sterne schneller von der Erde fortbewegen als nahe, obwohl der Luftballon gleichmäßig schnell aufgeblasen wird.

Insgesamt ist das religiös motivierte Weltbild einer Innenwelt mit den aktuellen Erkenntnissen der Wissenschaft nicht vereinbar.

Auch wenn beide Modelle aufgrund einer mathematischen Transformation ineinander überführt werden können, wird sie letztendlich von Gezeiten und Seismologie eindeutig widerlegt. Hartnäckige Anhänger können natürlich immer wieder fragen, wie verlässlich diese Erkenntnisse sind, aber sie sind wiederholbar und vielfach bestätigt, das ist es, worauf es ankommt.

Man kann soviel zweifeln, wie man möchte, aber wenn Experimente einer Theorie den Vorzug gegenüber einer anderen geben, dann setzen sie sich irgendwann auch durch.

Es kommt hinzu, dass das Innenweltbild die Weltanschauung unnötig kompliziert macht, ohne, wie gezeigt, Phänomene zu erklären, die im verbreiteten Modell nicht gedeutet werden konnten. In solchen Fällen geht die Wissenschaft immer davon aus, dass das einfachste Modell die Wirklichkeit am besten beschreibt - dieses Prinzip ist in der Wissenschaft als Ockhams Rasiermesser bekannt - es ist deshalb nicht einsichtig, warum gekrümmtes und langsames Licht postuliert werden sollte, wenn dadurch keine neuen Erklärungen gefunden werden.

Dass sich einige Weltanschauungen gegen diese Erkenntnisse bei einigen Menschen halten, ist deshalb oft darauf zurückzuführen, dass die selektive Wahrnehmung und fehlendes Verständnis für die Funktionsweise der Wissenschaft dieser Menschen sie blind macht für alternative Erklärungen und aktuelle Erkenntnisse der Wissenschaft.

Links zu Thema:

System Erde - unser dynamischer Planet

Innenweltbild von Rolf Keppler

Hohlwelttheorie (von Werner Lang)

Leben wir auf  der Innenfläche einer Hohlkugelerde?

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