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Zunächst könnte man annehmen, dass die Diskussion über die Evolution im Wesentlichen ein Problem des US-amerikanischen Bildungssystems ist und in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle spielt, aber tatsächlich gibt es auch hier vereinzelt Tendenzen, die biblischen Aussagen wörtlich zu nehmen und Erkenntnisse der Naturwissenschaften abzulehnen.
Eine Schwierigkeit besteht bei der Argumentation für die Theorie von Charles Darwin natürlich darin, dass sich die Theorie eines schöpferischen Gottes unter keinen Umständen widerlegen lässt - immerhin ist er ja allmächtig.
Aber auf der anderen Seite lässt sich immerhin auch ohne große Verrenkungen zeigen, dass die Kritik an der Darwinschen Lehre von der Entstehung der Arten wenig fundiert und in vielen Fällen widerlegt oder sogar als falsch angesehen werden muss. Ich werde in diesem Artikel deshalb auch nicht die Evolutionstheorie darstellen, sondern mich auf die angeblichen Argumente der Vertreter der Schöpfungslehre, bzw. des Kreationismus beziehen. Aber auch auf das Alter der Erde von etwa 4,5 Mrd. Jahren brauche ich an dieser Stelle nicht einzugehen, da es wissenschaftlich nicht bestreitbar ist. Die Plattentektonik kann mit modernen Methoden gemessen und anhand von Gesteinsvergleichen belegt werden und radioaktive Datierungsmethoden liefern ebenfalls sehr eindeutige Ergebnisse.
Abgesehen davon, dass auch diese Fakten von Anhängern der Schöpfungslehre trotzdem nicht akzeptiert werden wird gern behauptet, dass sich die Evolutionstheorie nicht auf wissenschaftlichen Fakten beruht, weil es keine kontinuierliche Linie gibt, die die Veränderung einer Art über einen langen Zeitraum stützen würde. Nun, das gilt auch für die Bibel, die auf Grund der Übereinkunft früher Christen mehr oder weniger willkürlich zusammengestellt wurde, aber das nur nebenbei.
Tatsächlich trifft dieser Vorwurf auch auf viele andere Naturwissenschaften zu, so kann man ja auch Neutrinos nicht direkt beobachten, trotzdem sind sie sehr gut untersucht und niemand kann ihre Existenz ernsthaft anzweifeln - das Gleiche gilt natürlich auch für alle anderen Teilchen, von denen die Physik weiß, keines ist mit bloßem Auge zu beobachten. Das allein ist also kein Grund eine Theorie abzulehnen, die immerhin eine Erklärung liefert, in die sich Funde und Beobachtungen einpassen lassen und was noch viel wichtiger ist, eine funktionierende Theorie lässt Vorhersagen über zu erwartende Beobachtungen zu.
Aber es stellt sich auch die Frage, wie lückenlos eine Kette von Funden tatsächlich sein muss, um eine zweifelsfreie Beweiskette zu liefern. Im Falle der Wale und Delphine beispielsweise gibt es durchaus Knochenfunde, die genug anatomische Gemeinsamkeiten aufweisen, um die Vorstellung einer Entwicklung vom Landlebewesen zum Meeressäuger zu rechtfertigen. Fossilisation ist ein Prozess, der nur unter sehr günstigen Bedingungen stattfinden kann, so das tatsächlich nur sehr wenige Exemplare die Jahrmillionen überdauern und der Forschung zur Verfügung stehen. Von der Forschung zu verlangen eine Kette zu präsentieren, die über viele Generationen entstandenen Merkmale auf winzige Schritte von einem Individuum zum anderen nachzuweisen wird deshalb den tatsächlichen Verhältnissen nicht gerecht. Trotzdem kann man natürlich an den Fossilien von Walen sehr gut nachvollziehen wie die Evolution aus diesem Landbewohner ein Tier des Meeres gemacht hat (die schöpferische Ausdrucksweise ist hier allerdings irreführend, tatsächlich haben lediglich häufiger Arten die Widrigkeiten der Umwelt überstanden die auf dem Weg zum Meeressäuger waren als andere).
Eine andere Schwierigkeit beim Nachweis der Makroevolution - des Übergangs von einer Art zur Anderen - ist aber auch, dass die Zuordnung zu einer Art mehr oder weniger willkürlich ist. Beispielsweise wird der Archäopteryx gerne als erster Vogel bezeichnet, tatsächlich hat er aber mehr Merkmale vom Reptil als vom modernen Vogel und selbst die heutigen Vögel haben immer noch Reptilienmerkmale, wie z.B. das Eierlegen.
Eine lückenlose Dokumentation erlauben Foraminiferen - winzige im Ozean lebende Einzeller, durch Sedimentation werden ihre Schalen kontinuierlich abgelagert und konserviert. Die Untersuchung von 18.000 Individuen eines bestimmten Zeitraums belegt eine kontinuierliche Entwicklung dieser Art. Auch hier handelt es sich wieder um den Nachweis der so genannten Mikroevolution, d.h. winzige Veränderungen, die von einem Individuum zum anderen weitergegeben werden, aber es zeigt, das kleine Schritte über einen langen Zeitraum im Endeffekt größere Veränderungen bewirken - man nennt das Makroevolution.
Nicht immer laufen Veränderungen so fließend ab wie im Beispiel der Foraminiferen. Immer wieder kommt es zu geradezu explosionsartigem Erscheinen neuer Arten, wie zum Beispiel im Kambrium vor 570 Mio. Jahren und dem nachfolgenden Ordovizium. Dies passiert offensichtlich immer dann, wenn Lebensräume neu besetzt werden können. In solchen Fällen können sich Mutationen schnell ausbreiten, sofern die Veränderungen sie für einen der freien Lebensräume tauglicher machen, weil keine besser angepasste Konkurrenz ihnen den Platz streitig macht.
Was hier besonders auffällt, ist das plötzliche Auftauchen von Schalen und Skeletten, die möglicherweise auf die Wechselwirkung mit auftauchenden Fressfeinden zurückzuführen sind. Jedoch darf das "plötzlich" nicht überbewertet werden, Kambrium und Ordovizium umfassen eine Periode von 130 Mio. Jahren. Am Ende dieser Periode kam es zu einem Massensterben, weil Gondwana - ein früher Kontinent - von Gletschern überzogen wurde, aber auch die ersten Pflanzen könnten in dieser Zeit das Land erobert haben. Im nachfolgenden Silur kommt es erneut zu einer explosionsartigen Vermehrung der Arten und im Devon findet erneut ein Massensterben statt. Beides - Ausbreitung und Aussterben - ist demnach kein einmaliges Ereignis vor etwa 6000 Jahren, sondern wiederholt sich immer wieder.
Die Sintflut hingegen war - nebenbei bemerkt - kein weltweites Ereignis. Wenn man dem Gilgamesch Epos - der Grundlage für die biblische Erzählung - folgt, so kann bestenfalls von einem Ereignis in Mesopotamien ausgegangen werden, das aber vielleicht für die damals lebenden Menschen als die ganze Welt angesehen wurde.
Von den Zweiflern an Darwins Ideen wird aber nicht nur Kritik an den Fakten geübt die sie belegen, sondern auch an den Mechanismen, die eine Entwicklung der Arten ermöglichen, wie etwa Mutation und Selektion.
Voreilig wird hier argumentiert, das Mutationen immer schädlich für das Individuum sind, denn ganau das sieht man, wenn man sich Strahlenschäden und Krebs anschaut. Diese Sichtweise greift aber zu kurz, denn grundsätzlich kann man nicht sagen, dass Mutationen schädlich sind. Genau genommen sind sie neutral und es sind andere Umstände die sie für den Einzelnen schädlich erscheinen lassen. Vielleicht kann man sich als Beispiel den Appendix ansehen. Durch Mutationen kann er bei einem Menschen vielleicht kleiner ausfallen als bei den anderen. Das ist im Grunde bedeutungslos, denn der Appendix erfüllt keine lebenswichtigen Aufgaben. Durch sein kleineres Volumen können sich aber leichter Bakterien ansiedeln, die zu einer Appendizitis führen (früher fälschlicherweise als Blinddarmentzündung bezeichnet), und erst dieser Umstand machen den kleineren Wurmfortsatz ungünstig für das Individuum, obwohl es insgesamt gesehen eigentlich ganz gut wäre wenn der Appendix ganz verschwände, um das allgemeine Risiko einer Appendizitis auszuschließen. Insofern ist auch die Selektion ein passiver Prozess und nicht - wie auch hin und wieder vertreten - Merkmal für gezielte Auswahl.
Auf diese Weise werden Mutationen die dem Individuum keinen Vorteil verschaffen sehr bald aussortiert, während neutrale oder positive Mutationen an die Nachkommen weitergereicht werden. Dass wir vornehmlich die negativen Seiten sehen, liegt, abgesehen von dem kurzen Zeitraum den wir überblicken, natürlich daran, dass die positiven nicht weiter auffallen.
Und natürlich ist von diesen Prinzipien ausgehend auch die Entstehung des Lebens selbst nicht unmöglich. Es begann ja nicht mit einem fertigen DNA-Strang sondern bestenfalls mit chemischen Verbindungen, die in der Ursuppe immer wieder gebildet wurden, und sich zu komplexeren Molekülen verbanden. Bis sie schließlich die Fähigkeit erlangten sich selbst zu reproduzieren war es ein sehr langer Weg und wie viele Irrwege es dabei gab, läßt sich nicht abschätzen. Allerdings kann man nicht behaupten, dass diese winzige Wahrscheinlichkeit für das Entstehen des Lebens ein Hinweis auf einen Schöpfer sei, der die Karten gemischt hat. Das ist genauso unsinnig wie bei einem Lottogewinn die Annahme der Allmächtige hätte die Chancen beim Lotto manipuliert, damit ich 6 Richtige bekomme. Auf diese Weise gibt man den Grund für ein Ereignis nach Eintreten des Ereignisses an und das macht kausal keinen Sinn.
Ein letztes Argument der Evolutionsgegner möchte ich noch widerlegen. Es wird nämlich gerne behauptet, Evolution sei grundsätzlich unmöglich, weil sie dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik widerspreche. Der Zweite Hauptsatz besagt im Wesentlichen, dass in einem abgeschlossenen System die Entropie - ein Maß für die Unordnung in einem System immer zunehmen muss. So wird argumentiert, dass ein System immer in Richtung Unordnung tendiert und die Entwicklung von Leben - also ausgesprochen geordneten Strukturen - demnach unmöglich sein muss. Dabei wird aber ignoriert, dass Lebewesen keine abgeschlossenen Systeme bilden, sondern mit der Umgebung wechselwirken. Eine Möglichkeit im Chaos Ordnung zu schaffen ist es an anderer Stelle mehr Unordnung zu hinterlassen, z.B. indem man mit einem Verbrennungsmotor chemische Energie in Bewegung und Abwärme umsetzt, oder indem Muskeln ebenfalls chemische Energie in Bewegung und Wärme umwandeln. Dem Leben dient als Quelle für diese Vorgänge die Sonne, welche die Erde mit mehr als genug Energie versorgt um Ordnung im Chaos zu ermöglichen.
Da macht es auch keinen Sinn das ganze Universum als abgeschlossenes System zu betrachten, denn selbst wenn die Entropie immer anwachsen muss, schließt das keineswegs aus, dass lokal Ordnung herrschen kann, denn die Thermodynamik kann nur eine Aussage über das Gesamtsystem machen.
Neben den Genannten kann man noch viele weitere Schwachpunkte in der Argumentation von Anhängern der Schöpfungslehre finden, aber das würde im Moment den Rahmen dieses Artikels sprengen. Ich denke aber es dürfte klar geworden sein, dass die Evolutionstheorie nach derzeitigem Stand der Forschung die bessere Erklärung für die beobachtete Diversität des Lebens ist, während der Kreationismus auf sehr wackeligen Füßen steht.